Der Rhabarber-Baiser-Kuchen gilt als Klassiker der deutschen Kaffeetafel und verbindet die säuerliche Frische von Rhabarber mit der zarten Süße einer luftigen Baiserschicht. Konditoren schwören auf einen besonderen Trick, um die perfekte Haube zu erzielen: die richtige Temperatur und das schrittweise Aufschlagen der Eiweißmasse. Dieser Kuchen begeistert durch seine Texturvielfalt – ein knuspriger Mürbeteigboden trifft auf saftiges Rhabarbermus und wird von einer goldbraun gebackenen Baiserhaube gekrönt. Die Zubereitung erfordert etwas Geduld, doch das Ergebnis überzeugt selbst anspruchsvolle Gäste. Mit präzisen Handgriffen und bewährten Profitipps gelingt auch Hobbybäckern diese Köstlichkeit.
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Zutaten
Utensilien
Zubereitung
1. Mürbeteig vorbereiten
Das Mehl in eine Schüssel sieben und mit 80 g Zucker sowie einer Prise Salz vermischen. Die kalte Butter in kleine Würfel schneiden und zum Mehl geben. Mit den Fingerspitzen rasch zu Streuseln verarbeiten – das schnelle Arbeiten verhindert, dass die Butter schmilzt und der Teig zäh wird. Das Eigelb hinzufügen und alles zu einem glatten Teig verkneten. Den Teig in Folie wickeln und mindestens 30 Minuten im Kühlschrank ruhen lassen.
2. Springform vorbereiten und Teig ausrollen
Den Backofen auf 180 Grad Ober- und Unterhitze vorheizen. Die Springform mit Butter einfetten und den Boden mit Backpapier auslegen. Den gekühlten Mürbeteig auf einer leicht bemehlten Arbeitsfläche etwa 3 mm dick ausrollen. Den Teig in die Form legen, dabei einen etwa 3 cm hohen Rand hochziehen. Den Boden mehrmals mit einer Gabel einstechen, damit sich beim Backen keine Blasen bilden.
3. Rhabarberfüllung zubereiten
Den Rhabarber in etwa 2 cm große Stücke schneiden. Falls ihr Tiefkühlware verwendet, diese nicht auftauen lassen. In einem Topf den Rhabarber mit 100 g Zucker, dem Vanillezucker und 2 Esslöffeln Wasser bei mittlerer Hitze etwa 10 Minuten köcheln lassen, bis die Stücke weich sind. Die Speisestärke mit etwas kaltem Wasser anrühren und unter Rühren zur Rhabarbermasse geben. Kurz aufkochen lassen, bis die Masse eindickt – die Stärke bindet die Flüssigkeit und verhindert, dass der Kuchen durchweicht. Vom Herd nehmen und auf Zimmertemperatur abkühlen lassen.
4. Boden vorbacken
Den Mürbeteigboden im vorgeheizten Ofen etwa 15 Minuten vorbacken, bis er leicht goldgelb ist. Dies verhindert, dass der Boden durch die saftige Füllung matschig wird. Aus dem Ofen nehmen und etwas abkühlen lassen, dabei die Ofentemperatur auf 150 Grad reduzieren.
5. Baiser herstellen – der Profitrick
Jetzt kommt der entscheidende Schritt für die perfekte Haube. Das Eiweiß in eine absolut fettfreie Schüssel geben – selbst kleinste Fettreste verhindern das Aufschlagen. Eine Messerspitze Weinstein-Backpulver hinzufügen, das stabilisiert die Eiweißmasse. Mit dem Handrührgerät auf mittlerer Stufe zu schlagen beginnen. Sobald das Eiweiß schaumig wird, die restlichen 100 g Zucker in drei Portionen einrieseln lassen, dabei jeweils etwa 30 Sekunden weiterschlagen. Erst wenn der Zucker vollständig aufgelöst ist, die nächste Portion zugeben. Auf höchster Stufe weiterschlagen, bis ein fester, glänzender Eischnee entsteht, der steife Spitzen bildet. Der Profi-Tipp: die Masse ist perfekt, wenn man die Schüssel umdrehen kann, ohne dass etwas herausfällt.
6. Kuchen füllen und Baiser aufbringen
Die abgekühlte Rhabarberfüllung gleichmäßig auf dem vorgebackenen Boden verteilen. Den Eischnee vorsichtig mit einem Teigschaber darauf verstreichen oder mit einem Spritzbeutel dekorative Tupfen aufspritzen. Dabei vom Rand zur Mitte arbeiten und darauf achten, dass die gesamte Füllung bedeckt ist. Den Puderzucker durch ein feines Sieb über die Baisermasse stäuben – dies sorgt für eine schöne Bräunung.
7. Backen und Abkühlen
Den Kuchen bei 150 Grad etwa 35 Minuten backen, bis die Baiserhaube goldbraun und fest ist. Die niedrige Temperatur ist wichtig, damit das Baiser nicht verbrennt, sondern langsam durchtrocknet. Den fertigen Kuchen im ausgeschalteten Ofen mit leicht geöffneter Tür etwa 10 Minuten ruhen lassen – dies verhindert, dass die Haube durch den plötzlichen Temperaturwechsel zusammenfällt. Anschließend vollständig auskühlen lassen, bevor der Kuchen aus der Form gelöst wird.
Tipp vom Chefkoch
Der wichtigste Trick für eine perfekte Baiserhaube liegt in der Temperatur: verwendet zimmerwarme Eier, denn diese lassen sich besser aufschlagen als kalte. Achtet darauf, dass wirklich kein Eigelb ins Eiweiß gelangt, denn das Fett verhindert das Aufschlagen. Ein weiterer Profi-Tipp: gebt eine Prise Salz oder Weinstein zum Eiweiß, das stabilisiert die Struktur. Schlagt den Eischnee nicht zu lange, denn übergeschlagenes Eiweiß wird trocken und brüchig. Die ideale Backtemperatur für Baiser liegt bei 140-150 Grad – so trocknet es durch, ohne zu verbrennen. Falls die Haube zu dunkel wird, deckt sie mit Alufolie ab.
Passende Getränke zum Rhabarber-Baiser-Kuchen
Zu diesem klassischen Kuchenschatz passt am besten frisch gebrühter Kaffee oder ein milder Schwarztee. Die Bitternoten des Kaffees harmonieren wunderbar mit der Süße der Baiserhaube und der Säure des Rhabarbers. Alternativ eignet sich ein Holunderblütensirup mit Mineralwasser, dessen blumige Note die Frühlingsstimmung des Kuchens unterstreicht. Für besondere Anlässe empfiehlt sich ein halbtrockener Riesling oder ein Moscato d’Asti, dessen leichte Süße und Frische perfekt mit dem Dessert korrespondiert.
Zusätzliche Info
Der Rhabarber-Baiser-Kuchen stammt aus der deutschen Backtradition und erfreut sich besonders in den Frühlingsmonaten großer Beliebtheit, wenn frischer Rhabarber Saison hat. Die Kombination aus säuerlichem Kompott und süßem Baiser entwickelte sich im 19. Jahrhundert, als Zucker erschwinglicher wurde und Konditoren begannen, mit Eischnee zu experimentieren. Rhabarber galt lange als Heilpflanze, bevor er in der Küche Verwendung fand. Botanisch gesehen ist Rhabarber ein Gemüse, wird aber aufgrund seiner Verwendung als Obst behandelt. Die roten Stangen enthalten Oxalsäure, weshalb sie nicht roh verzehrt werden sollten. Durch das Kochen mit Zucker wird die Säure abgemildert. Traditionell wird der Kuchen zur Kaffeetafel am Sonntagnachmittag serviert, ein Brauch, der in vielen deutschen Familien bis heute gepflegt wird.



